Insel Usedom

Heringsdorf ab 1918

Heringsdorf blieb auch nach dem Ende von Erstem Weltkrieg und Kaiserreich ein Seebad der Oberschicht, wenn auch die Besucherzahlen zunächst zurückgingen. Die Gäste kamen nun vor allem aus Kreisen der Hochfinanz, besonders der jüdischen. 1927 wurde mit einer 400 m tiefen Bohrung eine Solequelle erschlossen. Für 1927 wurde Heringsdorf als das deutsche Ostseebad mit den meisten ausländischen Gästen eingeschätzt.

Nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wurde 1933 der sozialdemokratische Bürgermeister Walter Haefke abgesetzt. In der Nähe der Rennbahn wurde eine Thingstätte eingerichtet. Während in den 1920er Jahren in den benachbarten Seebädern Ahlbeck und Bansin der Bäder-Antisemitismus immer mehr zunahm, galt Heringsdorf noch bis Mitte der 1930er Jahre als „judenfreundlich“. Nachdem der Landrat Helmut Flörke (NSDAP) vorgeschlagen hatte, Heringsdorf zum „Judenbad“ zu erklären, beschloss die Gemeindevertretung am 21. Juni 1935, „daß Juden im Seebad Heringsdorf unerwünscht sind“. In der Kurordnung wurde ihnen das Baden inner- und außerhalb der Badeanstalten verboten. Schließlich beschlossen die Gemeindevertreter am 16. September 1935, jüdische Hotels und Pensionen weder im Bäderprospekt noch im Wohnungsverzeichnis auszuweisen.

Kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die Insel Usedom am 4. Mai 1945 von der Roten Armee besetzt. Der sowjetische Ortskommandant Nasarow ließ den gesamten Innen- und Promenadenbereich Heringsdorfs absperren und 41 Häuser requirieren, um hier auf Befehl der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) ein Sanatorium für sowjetische Armeeoffiziere einzurichten. 1946 brannte das Strandcasino ab. An dessen Stelle wurde bis 1948 das Kulturhaus mit 700 Plätzen im Theatersaal gebaut. 1950 wurde das Sanatorium aufgelöst und der DDR übergeben, die Heringsdorf zum „Bad der Werktätigen“ bestimmte. Die übergebenen Hotels und Pensionen wurden als Ferienheime vom FDGB oder von Volkseigenen Betrieben übernommen. Auch das Kurhaus wurde nach einer Zwischennutzung als Lazarett 1951 als FDGB-Ferienheim „Solidarität“ wiedereröffnet, musste aber nach seinem baulichen Verfall 1979 abgerissen werden. An seiner Stelle entstand das neue gleichnamige, aus zwei zehngeschossigen Plattenbauten bestehende Ferienheim, das 1984 seine Tore öffnete und seitdem das Ortsbild beherrscht.

Von 1945 bis 1952 bildete der nach dem bei Deutschland verbliebene Teil vom Landkreis Usedom-Wollin den Landkreis Usedom, welcher 1952 im Kreis Wolgast im Bezirk Rostock aufging. Im Rahmen der „Aktion Rose“ wurden 1953 weitere Hotel- und Pensionsbesitzer enteignet. Im Kreis Wolgast wurde die Aktion vom Erholungsheim der Volkspolizei in Heringsdorf aus geleitet, wo dafür 80 Polizisten zusammengezogen worden waren.

Die Gemeinde gehört seit dem Jahr 1990 zum Land Mecklenburg-Vorpommern. Ab 1991 wurde der Ortskern mit Hilfe der Städtebauförderung umfassend saniert.

Am 1. Januar 2005 schlossen sich die drei Ostseebadeorte Ahlbeck, Heringsdorf und Bansin zur Gemeinde „Dreikaiserbäder“ zusammen. Am 1. Januar 2006 wurde die Gemeinde in Ostseebad Heringsdorf umbenannt.

Von 1994 bis 2011 gehörte die Gemeinde Heringsdorf zum Landkreis Ostvorpommern, der am 4. September 2011 im Landkreis Vorpommern-Greifswald aufging.

Kommentar hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*